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Kultur

Ältere Knastbrüder unter sich

In Deutschlands einzigem Seniorengefängnis am Bodensee sitzen 50 Männer ab 60 Jahren. Offene Zellen, längere Besuchszeiten und einen selbsbestimmten Tagesablauf werden den Bedürfnissen der Inhaftierten gerecht.

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Regelrecht idyllisch wirkt der Innenhof. Bänke gruppieren sich um eine Grünfläche mit Sträuchern und Fischteich. Ein Spielfeld lädt zur Bewegung ein. Doch das beschauliche Bild verdüstert sich, wenn der Blick auf die hohen Wände und die Überwachungskameras fällt: Der Hof gehört nicht zu einem gemütlichen Altersheim, sondern zum einzigen Seniorengefängnis Deutschlands in Singen am Bodensee, in dem 50 Männer ab 60 Jahren einsitzen.

In der Außenstelle der Justizvollzugsanstalt (JVA) Konstanz herrscht eine größere Bewegungsfreiheit als in anderen Vollzugsanstalten. "Nach außen geschlossen, nach innen offen", lautet das Konzept des 1970 eingerichteten Hauses, sagt Anstaltsleiter Thomas Maus. Zwischen 7.00 Uhr und 20.00 Uhr dürfen die Gefangenen den Hof nutzen, die Zellen sind nur zwischen 22.00 Uhr und 7.00 Uhr versperrt. Die Inhaftierten können den Tagesablauf mitbestimmen und dabei geistig und körperlich mobil bleiben, schließlich sollen sie später straffrei den Alltag bewältigen können.

Ältere haben andere Bedürfnisse

"Der ältere Gefangene hat besondere Bedürfnisse", betont der stellvertretende Leiter der JVA Konstanz, Werner Pleiss. Im Regelvollzug, wo meist die Jungen das Anstaltsleben bestimmen, kämen die Senioren oft zu kurz, meint er. Maus ist überzeugt: "Ältere Leute brauchen mehr Ansprechpartner". So kümmern sich in Singen neben 18 Vollzugsbeamten eine Reihe ehrenamtlicher Betreuer um die Häftlinge. Zudem sind die Besuchszeiten mit sechs Stunden im Monat länger als anderswo. Anstaltsleitung und Betreuer halten auch engen Kontakt zu den Bezugspersonen. "Wir kennen die Familien", sagt Pleiss.

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