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Freiheit der Kunst

Ägyptischer Schriftsteller kommt wieder frei

Weil ein Leser sich über ihn beschwerte, kam der der ägyptische Autor Ahmed Naji in Haft. Zwei Jahre sollte er im Gefängnis sitzen. Nun kommt Naji wieder auf freien Fuß - aber nur vorläufig.

Autoren können mit einem Roman den Leser tief bewegen, die Phantasie beflügeln, Emotionen wecken. Ahmed Naji hat das geschafft, allerdings sicher nicht mit dem Ergebnis, dass sich der ägyptische Autor gewünscht hätte: Ein Leser beklagte sich, nachdem er Najis Roman "Gebrauchsanweisung für das Leben" gelesen hatte. Herzrasen, Blutdruck und Augenzucken habe die Lektüre bei ihm ausgelöst. In den fraglichen Textstellen ging es um Sex und Haschischgenuss. Anstatt das Buch einfach zur Seite zu legen, zog der Leser vor Gericht und Autor Naji landete im Gefängnis. Im Februar verurteilte ein ägyptisches Gericht den Autor zu zwei Jahren Haft. Der Straftatbestand: "Verletzung des Anstandsgefühls".

Internationale Kritik

Die internationale Empörung über den Fall war groß. 120 internationale Künstler und Journalisten riefen die ägyptische Justiz auf, den Schriftsteller freizusprechen. Jetzt kommt Ahmed Naji vorläufig wieder auf freiem Fuß.

Die gegen ihn verhängte zweijährige Gefängnisstrafe werde ausgesetzt, solange seine Berufung gegen das Hafturteil laufe, entschied an diesem Sonntag ein Berufungsgericht in Kairo. Das Berufungsverfahren solle am 2. Januar fortgesetzt werden. Sein Anwalt Mahmoud Othmann zeigte sich im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP optimistisch, dass nach der Entscheidung dieser Instanz Naji freigelassen werde.

"Sie behandeln es als Tatsachenbericht."

Ahmed Naji hat bislang drei Romane veröffentlicht hat. Er gilt als offener Kritiker der ägyptischen Regierung. Naji hatte seine Schilderungen in "Gebrauchsanweisung für das Leben" damit verteidigt, dass er nicht von realen Ereignissen berichte, sondern eine imaginäre Sphäre inszeniere. "Die Staatsanwaltschaft versteht nicht, dass das ein Roman mit fiktiven Figuren ist", sagte Naji vor einem Jahr der Süddeutschen Zeitung. "Sie behandeln es als Tatsachenbericht."

Naji hat auch eine enge Verbindung zur Deutschen Welle. Zur Zeit der arabischen Proteste im Jahr 2011 war er in Kairo als freier Autor für den deutschen Auslandsrundfunk tätig. Er habe ihn "als Künstler und Intellektuellen in Erinnerung", so Rainer Sollich, der stellvertretende Leiter der arabischen Redaktion der DW. Im Mai ehrte der amerikanische PEN-Club den Ägypter mit dem Preis "Freedom to Write".

AR/haz (afp/AP)

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