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Deutschland

Ägypter in Deutschland demonstrieren

In Deutschland lebende Ägypter haben am Wochenende die Forderungen ihrer Landsleute nach mehr Demokratie unterstützt. Vor der ägyptischen Botschaft in Berlin gedachten sie zugleich der Opfer der vergangenen Tage.

Protest am Sonntag (30.01.11) in Berlin vor der ägyptischen Botschaft (Foto: dapd)

Zu einer Kundgebung am Sonntag (30.01.2011) in der Berliner Innenstadt waren mehr als 200 Ägypter aus ganz Deutschland angereist. Vom Potsdamer Platz aus zogen sie zur ägyptischen Botschaft in der nahegelegenen Stauffenbergstraße, wo sie Blumen zum Gedenken an die Toten der vergangenen Tage niederlegten. Auf Transparenten forderten sie den Rücktritt von Staatschef Hosni Mubarak und die Freilassung der politischen Gefangenen.

Nach den Worten des Marburger Politologen Atef Botros, der zu den Mitorganisatoren der Kundgebung gehörte, wird der 25. Januar als erster Tag des ägyptischen Aufstandes in die Geschichte des Landes eingehen. Zugleich wies er Befürchtungen zurück, die Ereignisse könnten einer Islamisierung seines Landes den Weg ebnen. "Die Protestbewegung ist eine zivile und säkulare. Die Menschen, die auf die Straße gehen, haben kein ideologisches oder religiöses Programm. Sie wollen Demokratie", sagte Botros.

Protest am Sonntag (30.01.11) in Berlin vor der ägyptischen Botschaft (Foto: dapd)

Vor der ägyptischen Botschaft in Berlin


Appell aus Berlin

Er fügte hinzu, man sende drei Botschaften aus Berlin: "An unsere Landsleute in Ägypten: Macht weiter so und akzeptiert keine halben Lösungen. An die Welt: Die Menschen in den ägyptischen Städten haben Angst vor Banden. In Alexandria gibt es kein Trinkwasser mehr. Kriminelle haben sich mit Polizisten zu Banden vereinigt. An die europäischen Regierungen: Hört auf, mit solchen Despoten wie Mubarak zu kooperieren." Es sei Zeit, diese Politik zu überdenken, sagte der in Deutschland lebende ägyptische Politologe.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) appellierte an Präsident Hosni Mubarak, die angekündigten Reformen umzusetzen und auf Gewalt zu verzichten. Sie habe Mubarak bei einem Telefonat am Sonntagnachmittag vor allem gemahnt, einen Dialog mit der Bevölkerung zu führen und "auf deren berechtigte Forderungen einzugehen", teilte die Bundesregierung am Abend mit.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) bekräftigte am Sonntag seine Forderung, keine Gewalt gegen Demonstranten zu verüben und die Meinungsfreiheit und andere Grundrechte zu gewähren.

Demonstrationen ohne Zwischenfälle

Bereits am Samstag waren in Berlin rund 300 Menschen zur ägyptischen Botschaft gezogen. Die Teilnehmer trugen ägyptische Fahnen und Plakate. Auf einem hieß es "Wir sind hier und wir sind laut, weil Mubarak uns die Zukunft klaut".

Zu ersten Kundgebungen vor der diplomatischen Vertretung Ägyptens in Berlin war es schon am Freitagabend gekommen, als etwa 200 Menschen die Forderung nach friedlichem Wandel unterstützten. Nach Angaben der Berliner Polizei verliefen alle Protestaktionen friedlich und ohne Störungen.

Autor: Hartmut Lüning (dapd, dpa, rtr)
Redaktion: Susanne Eickenfonder

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