1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Anschlag in Kairo

Ägyptens Regierung: Muslimbrüder verübten Anschlag auf koptische Kirche

Die verbotene Muslimbruderschaft soll hinter dem Anschlag auf eine koptische Kirche in Kairo stecken. Der Drahtzieher werde noch gesucht, erklärten die Behörden.

Das ägyptische Innenministerium macht führende Vertreter der Muslimbruderschaft als Drahtzieher für den Anschlag auf eine koptische Kirche in Kairo verantwortlich. Die Islamisten hätten den Selbstmordattentäter und seine Helfer von Katar aus finanziert und ausgebildet, hieß es in einer Miteilung des Innenministeriums. Der Anschlag ziele darauf ab, einen "massiven Konflikt zwischen den Religionen herbeizuführen." Präsident Abdel Fattah al-Sisi hatte zuvor die Festnahme von insgesamt vier Verdächtigen bekanntgegeben. Auch die Namen des behördlich bekannten Attentäters und seiner möglichen Hintermänner wurden veröffentlicht.

Am Sonntag wurden bei dem Selbstmordanschlag eines 22-Jährigen während eines Gottesdienstes in der Kirche Peter und Paul, die unmittelbar an die Markus-Kathedrale im Zentrum der ägyptischen Hauptstadt angrenzt, mindestens 25 Menschen getötet. Al-Sisi rief eine dreitägige Staatstrauer aus. Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand. Die Muslimbrüder bestritten eine Beteiligung.

Hintermänner in Katar finanzieren Anschläge

Der Attentäter wurde bereits 2014 verhaftet, weil er Konvois der Muslimbrüder absicherte. Wenig später war er wieder auf freiem Fuß. Später fahndeten die Behörden wegen zwei weiterer Vorfälle in Verbindung mit den Muslimbrüdern erneut nach ihm. Nach dem Anschlag entdeckten Ermittler laut dem Innenministerium in seinem Versteck zwei einsatzbereite Sprengstoffgürtel sowie Material zum Bau weiterer Sprengstoffsätze.

Gesucht wird laut dem Ministerium unter anderem noch nach dem Kopf der Gruppe, Mohab Mostafa al-Sajed Kassem alias "Der Doktor". Er habe sich 2015 mit der Führung der Muslimbrüder in Katar getroffen, die ihm logistische und finanzielle Hilfen für Anschläge in Ägypten angeboten habe. Später habe er in Kairo potenzielle Attentäter trainiert.

Christliche Minderheit im Visier

Das Innenministerium wies zudem auf die Erklärung einer Gruppe namens "Ägyptischer Revolutionärer Rat" vom 5. Dezember hin, in dem diese Anschläge auf die "Führer der orthodoxen Kirche wegen ihrer Unterstützung des Staats" angekündigt. Bei der Gruppe handelt es sich demnach um einen Ableger der Muslimbruderschaft.

Ägyptens Ex-Präsident Mohamed Mursi im Gefängnis in Kairo (Foto: picture-alliance/dpa/M. Hossam)

Mohammed Mursi ist seit seinem Sturz in Haft

Schätzungen zufolge sind etwa zehn Prozent der mehr als 90 Millionen Ägypter christliche Kopten. Das Zusammenleben mit der muslimischen Mehrheit im Land ist größtenteils friedlich, es gibt aber vereinzelt Spannungen. So vor allem in der mittelägyptischen Provinzhauptstadt Al-Minja. Erst am Freitag waren sechs Polizisten bei einem Anschlag in Kairo getötet worden. Die Regierung macht dafür in der Regel die islamistischen Muslimbrüder verantwortlich. Diese sind seit dem Sturz des Präsidenten Mohammed Mursi 2013 verboten. Mursi war vor seiner Amtsübernahme einflussreiches Mitglied der Muslimbrüder. Dschihadistengruppen werfen den Kopten in Ägypten vor, den Sturz Mursis unterstützt zu haben.

pab/stu (afp, ape)