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Welt

Ägyptens Islamisten kämpfen für Mursi

Nicht nur die Opposition geht in Ägypten auf die Straße - auch die Islamisten demonstrieren seit Tagen. Die Anhänger Mursis lehnen Neuwahlen ab.

Hunderttausende von Menschen demonstrieren rund um die Rabaa Al-Adawia Moschee in Nasser City, einem Stadtteil Kairos. Hier versammeln sich vor allem Anhänger der Muslimbrüder und der salafistischen Gruppen, die den Präsidenten Mohammed Mursi unterstützen. Gegen Abend haben sie einen Platz für das Gebet gesucht. Der Imam hat über Lautsprecher an Allah gebetet, dem Land, dem Präsidenten Mursi und den Menschen zu zeigen, was richtig und was falsch ist. Doch der Imam hat keinen Raum für Zweifel gelassen, wer im Recht ist: Kurz darauf rief er schon: "Wir haben nicht gestohlen, sie stehlen. Wir sind friedlich, sie sind gewalttätig." Das ist eine klare Anspielung auf die demonstrierenden Mursi-Gegner. Diese oft wiederholte Botschaft haben sich auch die Demonstranten eingeprägt - zum Beispiel Mahmoud: "Die Menschen auf dem Tahrir-Platz und vor dem Präsidentenpalast denken nur an ihre eigenen Interessen. Sie scheren sich nicht um das Land. Aber uns ist das Land wichtig." Die Protestierenden auf dem Tahrir-Platz sind seiner Meinung nach "Mitglieder des alten korrupten Regimes."

"Legitimität ist eine rote Linie"

Betende Islamisten auf der Islamisten-Demonstration in Nasser City, Kairo (Foto: DW/Sailer)

Abendgebet bei der Islamisten-Demo in Kairo

Religion und Politik sind hier nicht zu trennen: Das macht auch eine große weiße Fahne mit einem Mursi-Porträt deutlich, die etwa 20 Meter neben dem Minarett der Moschee gehisst wurde. Kurz darauf hat ein religiöser Scheich von der Bühne gefragt, warum die Menschen hier demonstrieren und sogleich selber die Antwort gegeben: Es gehe um Gott und nicht um Macht. Die Fortsetzung von Mursis Präsidentschaft erhält dadurch den Charakter einer religiösen Pflicht. Er fügte hinzu: "Legitimität ist eine rote Linie!", womit er Mursis Legitimität meinte, auf die bei den Pro-Mursi-Demonstrationen ständig verwiesen wird. "Das ist Legitimität basierend auf Wahlen. Das ist Demokratie. Und wenn Mursi gestürzt wird, ist es das Ende der Demokratie in diesem Land", sagt der Lehrer Nasser Gamal. "Sie wollten Wahlen, also haben wir gewählt. Und jetzt demonstrieren wir. Wenn das Militär gegen Mursi putscht, wird die Zukunft des Landes düster aussehen."

Diese Legitimität durch Wahlen ist in den Augen der Demonstranten etwas Absolutes. Keiner habe das Recht, den Präsidenten zu stürzen - egal, was dieser tut. Daher lehnen sie auch alle Argumente ab, die für Neuwahlen sprechen. Die Demonstranten fühlen sich hundertprozentig im Recht. Dass am 30. Juni Millionen den Rücktritt ihres Präsidenten forderten, ändert an diesem Denken überhaupt nichts. Für Ahmed Mahmud, der eine Baseballmütze mit dem Logo der Muslimbruderschaft trägt, ist die Sache völlig klar: "Wir haben keine Angst vor der Opposition, weil wir auf Allah vertrauen. Die Opposition ist uns gleichgültig." Die meisten der Anti-Mursi-Demonstranten vom 30. Juni seien bezahlt worden, damit sie auf die Straße gehen, meint er. "Hier bei uns hingegen kamen die Leute, um den Präsidenten und dessen Legitimität zu unterstützen."

Hoffnung auf göttliche Hilfe

Porträt des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi (Foto: dpa)

"Mursi wird nicht zurücktreten"

Einige der Islamisten meinen, das Ultimatum des Militärs könne gar nicht ernst gemeint sein. Für sie ist es nicht vorstellbar, dass Verteidigungsminister Abdel Fattah El-Sisi den Präsidenten zum Rücktritt zwingen könnte. Sie sehen es eher als Druckmittel, damit sich die Parteien einigen. Aus der Sicht anderer Islamisten ist das Ultimatum jedoch ein klarer Staatsstreich. "Mursi wird nicht zurücktreten. Wir werden auf allen Plätzen Ägyptens verharren und das Land wird zum Stillstand kommen", warnt der 32-jährige Ali.

Als wieder Kampfhubschrauber über das Gelände geflogen sind, haben die Demonstranten sofort laut "Mursi, Mursi" gerufen. Einige haben gepfiffen, um ihrer negativen Meinung über das Ultimatum Ausdruck zu verleihen. Auf der Rednerbühne gab es kurz zuvor eine Durchsage, dass vier Millionen Menschen an der Moschee demonstrieren würden - eine Übertreibung, die wohl dazu dienen sollte, die Stimmung zu heben. Ein anderer Scheich brüllte ins Mikrofon: "Wir werden unsere Seele und unser Blut für den Islam opfern!" Sie würden weiter protestieren und auf den Straßen bleiben, fügte er hinzu. Allah prüfe sie damit, um zu sehen, wer gut ist und wer böse. Schließlich bat er Gott um Einigkeit in den eigenen Reihen und um Zwietracht unter den Feinden. Auch der Nachwuchs der Muslimbruderschaft zeigte sich kampfbereit: Mit Knüppeln, Schilden, Helmen und Elektroschockern bewaffnet sprangen junge Männer auf und ab und riefen "Gott ist groß!"

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