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Ägypten: Young Media Summit 2010

Kontakte im Internet ersetzen nicht die persönliche Begegnung. Mit diesem Fazit endete der Young Media Summit 2010 in Kairo, erstmals organisiert von der DW-AKADEMIE als Dialogkonferenz für junge Medienschaffende.

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Drei Tage lang diskutierten Blogger aus Deutschland und neun arabischen Ländern: Wo im weltweiten Netz verlaufen die Grenzen zwischen einem „Orient“ und einem „Okzident“? Wie kann das Bloggen helfen, diese Grenzen zu überwinden? Am Ende war klar: Viel wichtiger als kulturelle Differenzen sind die persönlichen Motive und Einstellungen der Blogger und ihrer Leser.

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Jeder Blog-Kommentar im Internet, jede Nachricht bei Twitter oder Facebook kann zum Verständnis zwischen den Kulturen beitragen. Garantiert ist das aber nicht: Schnelle Statusmeldungen ohne Mimik und Gestik vertiefen nicht wirklich die persönlichen Erfahrungen zwischen Menschen, sagte die ägyptische Künstlerin und Bloggerin Amira Taher.

Einig waren sich Deutsche wie Araber, dass die sozialen Medien einen demokratisierenden Effekt haben können, indem sie eine „Gegenöffentlichkeit“ aufbauen. Den erhofften Durchbruch in vielen arabischen Ländern haben sie aber noch nicht erreicht befand eine Arbeitsgruppe. Im Gegenteil: Manchmal dienten die sozialen Netzwerke den Regierungen selbst, die dadurch mehr Kontrolle ausüben könnten.

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Daher die Frage: Dürfen oder sollten Autoren anonym bleiben? Das komme ganz auf den Zweck der Beiträge an, sagte die deutsche Journalistin Julia Seeliger, denn manchmal müssten sich Blogger schützen. Die ägyptische Frauenrechtlerin Eman Hashim fand es allerdings problematisch, ihre Leser zu Engagement zu ermutigen, ohne die eigene Identität preiszugeben. Im Umgang mit kritischen Gegenmeinungen tendierten die meisten Blogger zu Toleranz im Sinne der Meinungsfreiheit – nur Verunglimpfungen und Lügen dürften nicht veröffentlicht werden.

Der Young Media Summit zielte auf einen doppelten Dialog: Zwischen den zwölf arabischen und sechs deutschen Bloggern, aber auch unter den Arabern. Dutzende Blog-Einträge und Hunderte von Tweets bewiesen den enormen Gesprächsbedarf. Persönlich ging es weiter beim Empfang des deutschen Botschafters zum 20. Jahrestag der deutschen Einheit. Das Deutschland-Zentrum Kairo an der Botschaft hatte die DW-AKADEMIE bei Planung und Organisation des Young Media Summit unterstützt, das Auswärtige Amt finanzierte ihn.

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Die Ergebnisse präsentierten die Blogger in einer zweistündigen Podiumsdiskussion an der Cairo University. Rund 120 Studenten beteiligten sich rege und ließen Themen wie Tabus und (Selbst-)Zensur nicht aus. Auch hier wurde deutlich: Viel zu meinungsfreudig und autonom sind die meisten Blogger, als dass sich jede Frage hätte einvernehmlich beantworten lassen. Ein Video der Podiumsdiskussion ist auf dem Blog des Young Media Summit 2010 zu sehen.

Ungeteilt war aber der Wunsch, den Dialog fortzusetzen. Am liebsten mit einem weiteren Young Media Summit – von Angesicht zu Angesicht, im ganz persönlichen Gespräch.

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