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Politik

Ägypten treibt Wirtschaftsreformen voran

Was die Berichte über Manipulationen bei der Präsidentenwahl verbergen: In Sachen Wirtschaft und Finanzen mausert sich Ägypten gerade zum Vorzeigeland im arabischen Raum. Davon profitiert nicht nur das Land am Nil.

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EZB-Präsident Trichet will ägyptische Bankenaufsicht verbessern

Der Marco-Polo-Reiseführer lobpreist Ägypten als "die älteste Bürokratie der Menschheit". War die allgegenwärtige Hand des Staates aber früher noch ein herausragendes Merkmal einer jeden Hochkultur, stellt sie heute für das Land am Nil ein wesentliches Handelshemmnis dar.

Doch seit ihrem Amtsantritt im Juli 2004 hat die Regierung von Premierminister Ahmad Nazif ihr Land einem gigantischen Reformprozess unterworfen, dessen Fortsetzung am Sonntag (13.11.2005) folgt: Dann unterzeichnet Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), ein Partnerschafts- und Assoziationsabkommen mit der ägyptischen Zentralbank, das von der Europäischen Union (EU) finanziert wird. Ziel des Abkommens ist es, in Ägypten eine Bankenaufsicht zu implementieren, die internationalen Standards genügt. Dazu sollen unter anderem Mitarbeiter der ägyptischen Zentralbank in EU-Ländern geschult werden.

Ägyptischer Finanzplatz gestärkt

Ahmed Nasif

Wirtschaftsreformer und ägyptischer Premierminister Ahmad Nazif

Hinter diesem Abkommen steckt das erklärte Ziel Nazifs, Ägyptens Transformation von einer gelenkten Staats- zu einer Marktwirtschaft und damit seine Annäherung an die EU zu beschleunigen. Dabei hat sich gerade der ägyptische Bankensektor schon während des vergangenen Jahres stark gemausert: "Der Finanzplatz wurde gestärkt, indem die Eigenkapitalerfordernis für die Banken erhöht wurde. Dadurch verschwanden schwächere Banken vom Markt, die soliden blieben übrig", erläutert der Leiter der Nahost-Abteilung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Jochen Clausnitzer.

Bestes Beispiel für diesen Prozess ist die vollständige Privatisierung der zweitgrößten ägyptischen Bank: Die noch bis vor kurzem staatliche Geschäftsbank Misr International Bank wurde von der französischen Société Générale gekauft.

Wichtiger Handelspartner für Deutschland

Dr. rer. pol. Franz-Lothar Altmann

SWP-Experte Franz-Lothar Altmann

Das Beispiel Misr International Bank zeigt aber auch: Ägypten ist nicht der alleinige Nutznießer seines Reformprozesses. "Die Reform des Bankenwesens stärkt das ägyptische Finanzsystem und gibt dadurch ausländischen Unternehmen Planungssicherheit", ist DIHK-Experte Clausnitzer überzeugt.

Schon heute ist Ägypten nach den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien für Deutschland der drittwichtigste Handelspartner im arabischen Raum - ein Handelspartner, der immer mehr an Bedeutung gewinnt: "Im Jahr 2004 betrugen die deutschen Ausfuhren nach Ägypten 1,4 Milliarden Euro. 2005 lagen die Exporte nach Ägypten bereits in den ersten acht Monaten bei 1,1 Milliarden Euro. Das ist ein Plus von 26 Prozent", sagt Clausnitzer.

Tippelschritte in die richtige Richtung

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Ägypten ist nicht nur Touristen attraktiv, sondern auch für ausländische Investoren

Auch die EU profitiert von den ägyptischen Reformanstrengungen. Sie erhoffe sich von einer verbesserten Bankenaufsicht Ägyptens eine Stärkung ihrer strategischen Partnerschaft mit dem größten arabischen EU-Nachbarn, vermutet Franz-Lothar Altmann von der Forschungsgruppe EU-Beziehungen der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Im Rahmen des so genannten Barcelona-Prozesses versucht die EU bereits seit 1995, den politischen und wirtschaftlichen Dialog mit den südlichen Mittelmeerländern zu stärken. Hehre Ziele sind die "Schaffung einer Zone gemeinsamen Wohlstands im Mittelmeerraum" und die Errichtung einer euromediterranen Freihandelszone bis 2010.

Auf dem Weg dorthin stellt die Reform des ägyptischen Bankensektors nur einen winzigen Schritt in die richtige Richtung dar. Wem es eher nach großen Gesten verlangt und dem dieses Klein-Klein zu technisch anmutet, der muss sich vom EU-Experten Altmann erklären lassen: "Diese Details machen nun einmal das Wesen der EU aus."

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