1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Welt

Ägypten: Solidarität mit inhaftiertem Ahmed Naji

Der Autor hat über Sex und Drogen geschrieben - und sitzt deshalb hinter Gittern. Woody Allen, Patti Smith und andere Künstler fordern nun seine Freilassung, weltweit werden Werke des ehemaligen DW-Mitarbeiters verlesen.

Am 10. Februar war Ahmed Naji zu zwei Jahren Haft verurteilt geworden. Das Gericht begründete seine Entscheidung mit einer "Verletzung des Anstandsgefühls" wegen einer pornografischen Passage in einem fiktionalen Text.

Der Text findet sich in dem Buch "The Use of Life". Die vermeintliche Verletzung darin: Naji lässt den Ich-Erzähler Haschisch zu sich nehmen und nach einer Partynacht Oralsex mit einer Frau haben. Angezeigt wurde Naji von einem Leser. Dieser bekam, so berichtet es die britische Tageszeitung "The Guardian", beim Lesen Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck.

Lesungen von New York bis Berlin

Dass jemand ins Gefängnis muss wegen eines Textes, sei sogar in Ägypten "beispiellos", kommentierte Anfang Mai Nancy Okail den Vorgang. Die Geschäftsführerin des "Tahrir Institute for Middle East Policy" (TIMEP) in Washington setzt sich für eine Freilassung des 30-jährigen Autoren ein. So wie andere Unterstützer, die in verschiedenen Städten weltweit an diesem Donnerstag (12.5.2016) Lesungen für Naji planen.

So sollen unter anderem in London, New York, Amsterdam, Paris und Berlin übersetzte Passagen aus dem Werk des inhaftierten Schriftstellers vorgetragen werden.

Organisiert hat die Lesungen Marcia Lynx Qualey, Kulturjournalistin und Bloggerin über arabische Literatur, die sich auch für den in Saudi-Arabien inhaftierten Lyriker Ashraf Fayadh engagiert. Im vergangenen Januar gab es für ihn eine ähnliche Veranstaltung. Damals sagte Qualey, "es ist wichtig, dass wir für Schriftsteller auf der ganzen Welt zusammenhalten".

Schriftsteller appellieren an al-Sissi

Und auch dieses Mal schließen sich Kulturschaffende zusammen: Mehr als 120 Schriftsteller, andere Künstler und Journalisten fordern von Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sissi, Ahmed Naji freizulassen. Zu den Unterzeichnern des Aufrufs gehören Schriftsteller Philip Roth, Musikerin Patti Smith und Regisseur Woody Allen.

Initiiert hat die Aktion das amerikanische Büro des Autorenverbandes PEN. In dem Brief heißt es, "die Verurteilung von Ahmed Naji ist ein Zeichen für die zutiefst beunruhigende Unterdrückung des freien Wortes durch die ägyptische Regierung".

Pressefreiheit: Rang 159 von 180 weltweit

Erst vergangene Woche hat ein ägyptisches Gericht die Todesstrafe für sechs Personen - darunter drei Journalisten - empfohlen. Ägypten belegt Platz 159 von 180 auf der aktuellen Weltrangliste der Pressefreiheit von "Reporter ohne Grenzen". Immer wieder werden Journalisten, die kritisch berichten, weggesperrt.

Ahmed Naji hat sich immer wieder auch klar positioniert für die Demokratisierung des Landes - unter anderem bei seiner Arbeit für die Deutsche Welle (DW).

Preisverleihung in Abwesenheit

Naji war zur Zeit des Arabischen Frühlings mit einem Stipendium in Deutschland gewesen, arbeitete danach noch kurz für die DW. Damals habe er kritisch über das Regime der Muslimbrüder, die die Meinungs- und Kunstfreiheit einschränken wollten, berichtet, erinnert sich Rainer Sollich, Online-Chef der Arabischen Redaktion bei der DW. Später widmete sich Naji ganz der Schriftstellerei.

Am 16. Mai soll er den Preis "Freedom to Write" des US-amerikanischen PEN-Zentrums erhalten. Sein Bruder wird die Auszeichnung für ihn entgegennehmen.

Die Redaktion empfiehlt