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Nahost/Nordafrika

Ägypten: Neue Herausforderungen

Die ägyptischen Medien berichten so frei wie nie zuvor. Doch es gibt noch Grenzen. Werden sie überschritten, reagieren auch die neuen Machthaber gereizt. Jüngstes Beispiel: ein Blogger soll für drei Jahre ins Gefängnis.

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Die Karten in der Medienwelt Ägyptens werden seit der Revolution vom 25. Januar neu gemischt. Zeitungen, Fernseh- und Radiosender berichten weitgehend unzensiert, politische Tabus gibt es kaum noch. Nach 30 Jahren Mubarak-Herrschaft nutzen vor allem die Sprachrohre der Opposition die neugewonnene Freiheit. Mit Erfolg: Quoten und Auflagen schnellen in die Höhe.

01.2011 DW-AKADEMIE Tilman Rascher

Tilman Rascher, Leiter Bereich Nah-/Mittelost der DW-AKADEMIE

"Verlierer sind auf jeden Fall die Regierungsmedien", sagt Tilman Rascher, Leiter der DW Akademie im Nahen und Mittleren Osten. "Diese haben Ex-Präsident Mubarak während der Revolution unterstützt und sind nach seinem Abgang abrupt umgeschwenkt". Die regierungsnahe ägyptische Tageszeitung Al-Ahram und der Staatssender ERTU haben sich zum Beispiel buchstäblich über Nacht neu positioniert und dadurch an Glaubwürdigkeit verloren.

Soziale Medien haben hingegen an Bedeutung gewonnen. "Die waren für die Revolution mit entscheidend. Jetzt muss sich zeigen, was sie für den Demokratisierungsprozess leisten können", betont Rascher. Anfang April hat die erste Euphorie einen deutlichen Dämpfer bekommen. Ein Militärgericht verurteilte einen Blogger zu drei Jahren Haft. Der Internetaktivist habe das Militär beleidigt, falsche Informationen verbreitet und die öffentliche Ordnung gestört, hieß es in der Urteilsbegründung. Menschenrechts- und Journalistenorganisationen kritisierten das Urteil.

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Arabische Blogger beim Young Media Summit 2010 in Kairo

Neben den Bloggern werden bei den anstehenden Parlaments- und Präsidentschaftswahlen natürlich auch die klassischen Medien eine wichtige Rolle spielen. Die DW Akademie wird sie bei der Wahlberichterstattung unterstützen. "Wir reagieren auf die neue Situation mit Sofortmaßnahmen, vor allem im Hinblick auf die Wahlen. Im Mai und Juli bieten wir Journalistentrainings an, die sich auf Wahlberichterstattung konzentrieren werden", erklärt Rascher.

Die DW Akademie will in Zukunft mit zwei Universitäten kooperieren, der German University in Cairo und der Fakultät für Medienwissenschaften an der Kairo-Universität. Dort soll vor allem die praktische Ausbildung im Bereich Online-Journalismus unterstützt werden. Nach den Parlamentswahlen ist geplant, gemeinsam mit ägyptischen Journalisten einen Pressekodex zu entwickeln.

Aber auch Projekte, die schon vor dem Umsturz begonnen haben, werden fortgesetzt. Im vergangenen Jahr fand ein arabisch-deutscher Dialog für Blogger statt – der Young Media Summit. Auch dieses Jahr organisiert die DW Akademie einen Dialog unter dem Titel "Neue Medien und Reform in der arabischen Welt". Außerdem wird das Projekt Shabab ins Leben gerufen: ein Online-Portal, das sich mit der arabischen Jugend und dem demokratischen Aufbau befassen wird.

"Die größte Herausforderung momentan ist, die richtigen Partner zu finden", erklärt Rascher. Ägypten befinde sich noch in einem Übergangsstadium. "Wir müssen die weiteren Entwicklungen nach den Wahlen beobachten, um die nächsten Schritte genauer zu bestimmen", so Rascher.