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Filme

Ägypten in Berlin

Über Jahrzehnte konnte man nur einen Torso sehen. Jetzt ist "Das Weib des Pharao" von Ernst Lubitsch wieder im Kino zu sehen. Am 18. Oktober findet die US-Premiere statt - im berühmten "Egyptian Theatre" in Los Angeles.

Dagny Servaes in Das Weib des Pharao (Foto: ALPHA-OMEGA digital GmbH)

Es gibt wohl keinen besseren Ort, um den restaurierten Stummfilm "Das Weib des Pharao" zu zeigen. Der ägyptische Baustil des Kinos am Hollywood Boulevard in Los Angeles passt wunderbar zum Inhalt des Monumentalfilms von Ernst Lubitsch. Der berühmte deutsche Regisseur drehte den Film "Das Weib des Pharao", einen fiktiven historischen Reigen um Liebe, Macht und Eifersucht, im alten Ägypten im Jahre 1921. Kurze Zeit später kehrte er Deutschland den Rücken und wanderte in die USA aus - wo er zu einem der beliebtesten und erfolgreichsten Hollywood-Regisseure aufstieg.

Filmset des Lubitsch-Films Das Weib des Pharao (Foto: ALPHA-OMEGA digital GmbH)

Aufwendige Bauten in Berlin in Berlin-Steglitz

Noch vor Fritz Lang und Friedrich Wilhelm Murnau sorgte Lubitsch in den Vereinigten Staaten dafür, dass sich das deutsche Kino in Hollywood etablierte - mit Regisseuren, Schauspielern, Drehbuchautoren und Kameramännern. Hollywood war fasziniert von der großen handwerklichen Finesse des Ernst Lubitsch. Denn der hatte - bevor er in Hollywood als Komödienregisseur berühmt wurde und man vom sogenannten "Lubitsch-Touch" schwärmte - das Genre des Monumentalfilms zur Perfektion getrieben.

Ägypten in Berlin

"Das Weib des Pharao" war 1921 im Süden Berlins, in Steglitz, gedreht worden. Riesige Tempel-Kulissen, eine altägyptische Stadt, eine gewaltige Sphinx - Ernst Lubitsch und seine Ausstatter bauten damals die Szenerien in Originalgröße nach. Riesige Statistenheere, dutzende Pferde, aufwendige Kostüme - die Produzenten des Films scheuten keine Kosten und Mühen, um das "alte Ägypten" in der deutschen Hauptstadt möglichst originalgetreu wiederauferstehen zu lassen.

Regisseur Ernst Lubitsch mit seinem Partner, Produzent Paul Davidson bei den Dreharbeiten (Foto: picture alliance)

Regisseur Ernst Lubitsch (l.) mit Produzent Paul Davidson bei den Dreharbeiten in Berlin

"Großfilm. Draußen vor dem Ufa-Palast am Zoo Reihen von Autos. Im Zuschauerraum halb Berlin. Die Geistigen und die Verdienten. Pharaonenreich einer unbestimmten Epoche. Deutlich die ganze Umwelt nur bunter Mantel für eine Liebesgeschichte starken Stils. Eine Griechensklavin wird Königin. Ein Thron zerbricht darüber. Krieg rast durch das Land. Massenszenen von unerhörter Wirkung" - so berichtete der "Berliner Lokal-Anzeiger" damals nach der Premiere des Films im Zoo-Palast. Auch die Musik des bekannten Operettenkomponisten Eduard Künneke trug zum Gelingen des Films bei.

Mühsame Rekonstruktion

Doch in den Jahren danach ging es dem Lubitsch-Film wie so vielen anderen Werken der Kinogeschichte auch. Die Kopien wurden beschädigt und in alle Welt zerstreut. Jahrzehnte später haben es sich Filmmuseen und Archive zur Aufgabe gemacht, die Filmschätze aus der Vergangenheit zu rekonstruieren und zu restaurieren. Im Falle des "Pharao"-Films fanden sich Fragmente in russischen, italienischen und amerikanischen Archiven. Die Federführung bei der Wiederherstellung des Lubitsch-Klassikers hatten das Münchner Filmmuseum und das Bundesarchiv. Für die Digitalisierung sorgte die auf Restaurierung spezialisierte Münchener Firma "Alpha-Omega".

Emil Jannings als Pharao Amenes in Das Weib des Pharao (Foto: ALPHA-OMEGA digital GmbH)

Grün vor Wut: Emil Jannings als Pharao Amenes

Das Ergebnis ist grandios. "Das Weib des Pharao" liegt jetzt in einer fast kompletten Fassung vor. Zudem ist der Film die erste vollständig digitale Restaurierung eines nachträglich mit Fraben versehenen Spielfilms. Das alte Ägypten erstrahlt auf der Leinwand in Blau und Gelb, in Grün und Rot. Nach einer ersten Vorführung im "Neuen Museum" in Berlin folgt nun noch die US-Premiere in Los Angeles am nächsten Dienstag (18.10.2011). Im alterwürdigen "Egyptian Theatre" wird die Vorführung live von einem Orchester begleitet. Fast 90 Jahre nach der Berliner Premiere - die Welt-Uraufführung hatte damals in New York stattgefunden - sorgt Ernst Lubitschs Kunst nun noch einmal dafür, dass das deutsche Kino in Hollywood Beachtung findet - mit einem Klassiker der Filmgeschichte.

Autor: Jochen Kürten
Redaktion: Gudrun Stegen

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