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Wirtschaft

"Ägypten braucht starken Tourismus-Sektor"

Der Tourismus ist eine wichtigste Einnahmequellen Ägyptens - und ein Jobmotor. Und Jobs braucht das Land wie kaum etwas anderes. DW sprach darüber mit dem Tourismusminister Mounir Fakhry Abdel Nour.

Beschreibung: Mounir Fachri Abdel Nour, Tourismusminister Ägyptens Foto: Rafael Estafanie (Nutzungserlaubnis für DW)

Mounir Fachri Abdel Nour

Ägypten geht nach einem drastischen Einbruch der Touristenzahlen davon aus, das in diesem Jahr wieder so viele Reisende in das Land am Nil kommen wie vor dem Sturz des langjährigen Präsidenten Husni Mubarak. Der Umbruch hatte viele potenzielle Urlauber verunsichert und die ägyptische Wirtschaft in Mitleidenschaft gezogen. Die hohe Arbeitslosigkeit war einer der Gründe für die Massenproteste, die zum Sturz des Machthabers im vergangenen Jahr führten. Über die Bedeutung der Tourismusbranche für das Land sprach DW mit dem ägyptischen Tourismusminister Mounir Fakhry Abdel Nour.

DW: Herr Minister, wie wichtig ist der Tourismus für Ägypten?

Mounir Fachri Abdel Nour: Ich denke, der Tourismus wird immer eine wichtige Rolle in der ägyptischen Wirtschaft spielen. Er macht mehr als elf Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus und ist die zweitwichtigste Devisenquelle. Heute sind vier Millionen Menschen im Tourismus beschäftigt, das ist jeder sechste Arbeitnehmer in Ägypten. Es ist eine arbeitskraftintensive Wirtschaftsform, was wichtig ist für ein Land mit einer Arbeitslosenquote von neun Prozent. Denn wir müssen jedes Jahr rund 800.000 neue Jobs schaffen, damit die Schulabgänger und die Universitätsabsolventen einen Arbeitsplatz finden können. Keine politische Bewegung, keine Partei und keine Regierung kann es sich leisten, eine Politik zu machen, die negative Auswirkungen auf den Tourismus in Ägypten hat.

Welche Rolle spielt die Tourismus-Politik im Wahlkampf?

Ich muss sagen, dass die ägyptische Wirtschaft eine klare Position bezogen hat. Das war während der Parlamentswahlen so und ist auch im gegenwärtigen Präsidentschaftswahlkampf nicht anders: Der Tourismus-Sektor wird offensichtlich für einen liberalen Kandidaten stimmen.

Besucher lassen sich auf einer Tourismusmesse in Berlin zu Ägypten beraten. Foto: Britta Pedersen dpa/lbn

Auf deutschen Tourismusmessen ist Ägypten ein begehrtes Reiseziel.

Sie sagen, dass das Schlimmste überstanden sei, Ägypten sei bereits auf dem Weg aus der Krise. Woher kommt Ihr Optimismus?

Ich analysiere die Zahlen, ich sehe die Trends – und die Trends weisen nach oben. Von Monat zu Monat kommen mehr Touristen. Ich bereise fast die ganze Welt. Ich komme gerade aus Japan und war bereits in Russland, Polen, Frankreich, Italien, England und Deutschland: Die Zahl der Übernachtungen und der Flugverbindungen nach Ägypten steigt wieder an.

Was werden Sie unternehmen, um die ägyptische Tourismusindustrie voran zu bringen?

Ich glaube, dass unsere traditionellen Märkte bald gesättigt sein werden. Wir müssen unser Augenmerk daher auf die aufstrebenden Wirtschaftsmächte richten, vor allem auf die BRIC-Staaten, aber auch Vietnam, Südkorea oder Mexiko. Wir müssen neue Märkte ins Visier nehmen. Und außerdem haben wir schon ein ganz neues Geschäftsverhalten: Wir arbeiten transparent, wir halten uns an die Gesetze und wir sind offen für Geschäftsideen.

Welche Rolle spielt der Tourismus für den Demokratisierungsprozess in Ihrem Land?

Der Tourismus unterstützt den Demokratisierungsprozess. Wenn wir die Krise des Tourismus überwinden, wird die ägyptische Wirtschaft wieder wachsen und das wird den Veränderungsprozess befördern. Ich denke: Nach Ägypten zu reisen zeigt, dass man für demokratische Werte ist und dass man die Menschenrechte achtet. Das ist im Interesse dieser ganzen Region. Die Sicherheitslage in den Ländern südlich des Mittelmeeres ist sehr wichtig für unsere Nachbarn im Norden.

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