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Deutschland

Ägypten begrüßt Urteil im El-Sherbini-Prozess

Die Regierung in Kairo hat das Urteil gegen den Mörder der Ägypterin Marwa El-Sherbini gutgeheißen. Das Dresdner Landgericht hatte am Mittwoch entschieden: Der Russlanddeutsche Alex W. muss lebenslang ins Gefängnis.

Sicherheitsbeamte bringen Alex W. in den Verhandlungssaal des Landgerichts Dresden (Foto: AP)

Täter Alex W. mit Sicherheitsbeamten

"Die Verhängung der höchsten nach deutschem Recht möglichen Strafe dient der Gerechtigkeit und sollte abschreckend auf diejenigen wirken, die aus Hass und Böswilligkeit handeln", erklärte das Außenministerium in Kairo. Zugleich versöhnliche Töne: Die deutsch-ägyptischen Beziehungen basierten auf der guten Zusammenarbeit auf vielerlei Gebieten, so das Ministerium weiter. "Sie sind zu stark, um durch ein solches Verbrechen beeinträchtigt zu werden."

Besondere Schwere der Schuld

Das Landgericht Dresden hatte den angeklagten Alex W. am Mittwoch (11.11.2009) schuldig gesprochen, die junge Muslimin Marwa El-Sherbini aus Fremdenhass mit einem Messer getötet und ihren Ehemann lebensgefährlich verletzt zu haben. Die Schwurgerichtskammer sah die Tatbestände des Mordes und versuchten Mordes als erwiesen an und stellte zugleich eine besondere Schwere der Schuld fest. Damit ist eine vorzeitige Entlassung aus dem Gefängnis nach 15 Jahren praktisch ausgeschlossen.

Der Angeklagte sitzt mit Fußfesseln im Gerichtssaal (Foto: AP)

Sicherheitsvorkehrung: Alex W. wurden Fußfesseln angelegt

Das Gericht folgte mit dem Urteil den Anträgen der Staatsanwaltschaft und der Nebenklage, die eine Verhängung der Höchststrafe gefordert hatten. Die Verteidigung hatte dagegen auf eine Verurteilung lediglich wegen Totschlags im Affekt plädiert. Sie sah Indizien für eine paranoide Persönlichkeitsstörung. Kurz vor Prozessende war ein Schreiben von der russischen Generalstaatsanwaltschaft eingetroffen. Darin hieß es, der Angeklagte sei im Juli 2000 wegen einer psychischen Erkrankung aus der Armee ausgemustert worden.

Bis zuletzt keine Reue gezeigt

Prozess gegen Alex W. (Foto: dpa)

Der Prozess wurde auch in der islamischen Welt aufmerksam verfolgt

Der 28-jährige arbeitslose Spätaussiedler, der seit 2003 in Deutschland lebt, nahm das Urteil mit gesenktem Kopf regungslos zur Kenntnis. Er hatte die Messerattacke gestanden, aber einen Tötungsvorsatz und ausländerfeindliche Motive bestritten. Bis zuletzt zeigte er keine Reue.

Während des Prozesses war er die meiste Zeit vermummt. In der ersten Prozesswoche war er ausgerastet, hatte seinen Kopf auf die Tischplatte geschlagen, mit den Füßen getrampelt und so eine Unterbrechung des Prozesses erzwungen.

Richterin: Täter verachtete Muslime

Der Angeklagte Alex W. hat sich vermummt (Foto: AP)

Alex W. war während des Prozesses meist vermummt

Der verurteilte Alex W. muss auch für alle Schäden in Folge des Messerangriffs aufkommen. Richterin Birgit Wiegand sagte, Alex W. müsse den Eltern, dem Witwer, dem Bruder und dem dreijährigen Sohn der getöteten Marwa El-Sherbini "alle materiellen und immateriellen Schäden ersetzen".

Nach der Urteilsverkündung erklärte Wiegand im Dresdner Landgericht, Alex W. habe das Leben in Deutschland nach seiner Aussiedlung als "Multikultischeiße" empfunden. Er sei der Meinung gewesen, dass Ausländer ihm die Arbeit wegnehmen. In erster Linie habe er Muslime verachtet. "In seinen Augen waren sie alle Islamisten", sagte die Richterin. Dass Alex W. selbst anderer Herkunft sei, habe er verdrängt. Wiegand erklärte weiter, Alex W. habe eine "utopische Vorstellung" davon gehabt, ein perfekter Deutscher sein zu wollen.

El-Sherbini starb vor den Augen ihres Sohnes

Ein Plakat mit dem Foto von Marwa El-Sherbini und der Aufforderung Stoppt den Hass gegen Muslime in Deutschland (Foto: AP)

Muslime demonstrierten am letzten Verhandlungstag vor dem Gericht in Dresden

Der russlanddeutsche Spätaussiedler hatte die 31-jährige Ägypterin am 1. Juli in einer Verhandlung am Dresdner Landgericht angegriffen und mit mindestens 16 Messerstichen getötet. Ihr Ehemann überlebte mit lebensgefährlichen Verletzungen. Die schwangere Ägypterin starb noch im Gericht. Die Bluttat spielte sich vor den Augen des dreijährigen Sohnes des Paares ab. Der Mord hatte in der islamischen Welt Bestürzung und massive Proteste ausgelöst.

Zu dem Prozess im Juli war es gekommen, weil Alex W. die Ägypterin als "Terroristin", "Islamistin" und "Schlampe" beschimpft hatte, als sie ihn auf einem Spielplatz gebeten hatte, die Schaukel für ihren Sohn frei zu machen. In dem Gerichtsverfahren trat sie als Zeugin auf. Besondere Sicherheitsvorkehrungen hatte es während der damaligen Gerichtsverhandlung nicht gegeben.

Autorin: Ursula Kissel (dpa, rtr, ap, afp, epd)
Redaktion: Christian Walz

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